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Johanna Diehl, BROKEN REPERTOIRE, 2019, Full HD Video, Videoinstallation mit Sound, 16:9, Farbe, Flügel/Komposition Marc Schmolling
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Johanna Diehl - Broken Repertoire

Ort
Halle oben
Zeitraum
28.05.2021 - 15.08.2021

Der Kunstverein Göppingen e.V. schätzt sich glücklich Arbeiten der international vielfach ausgezeichneten Fotokünstlerin Johanna Diehl (*1977) in der Einzelausstellung „Broken Repertoire“ in der Kunsthalle Göppingen zu zeigen. „Broken Repertoire“ bezieht sich auf die gleichnamige Videoarbeit (2019), aber auch auf das Bildrepertoire der Künstlerin, das sie immer wieder in neuen Konstellationen ordnet und arrangiert.

Anhand von Johanna Diehls Werk drängt sich die Frage auf, zu was Fotografie fähig ist. Zum einen, wie Roland Barthes in seinen Bemerkungen zur Photographie „Die helle Kammer“ betont, ist die Aufgabe der Fotographie die Dokumentation: „So war es.“ Zum anderen fordert die Fotografie von jedem Betrachtenden, sich der unbeugsamen Realität zu stellen. Die Künstlerin Johanna Diehl fügt den von Barthes zugewiesenen Merkmalen der Fotografie eine weitere äußerst spannende Dimension hinzu. In einer sublimen Gegenüberstellung von historischem und aktuellem Bildmaterial, ergibt sich ein assoziativer Diskurs. Ihr Großonkel Arnold Bode, der 1955 die documenta in Kassel gegründet hat, prägte bereits die Praxis des „Visuellen Begreifens“, in dem er Werke der (klassischen) Moderne dialogisch gegenüberstellte. Der überwältigende öffentliche Erfolg der documenta ist zwischen Nachkriegstrauma und Modernisierungswillen zu verorten. Und punktgenau hier setzt Johanna Diehl ihre künstlerische Arbeit in der Kunsthalle Göppingen an: Es ist die BRD der Nachkriegszeit, der Moment zwischen bleiernem Stillstand, psychischer Versehrung und kulturellem Aufbruch, den sie mit aktuellen Aufnahmen konfrontiert.

In der Werkreihe „Dead Dad Wild Country“ inszeniert Johanna Diehl einen Dialog zwischen privaten Reisefotos aus dem Bildarchiv der Großeltern und aktuellen Aufnahmen von Requisiten einer Inszenierung Johann Kresniks. Auch ohne genaues Wissen der privaten Familiengeschichte erspürt man im Diskurs der Bilder einen fast körperlichen Mangel, eine Leerstelle.

Der Tänzer Yotam Peled vollzieht in der Videoarbeit „MARS“ einen inneren Kampf im Ambiente der in den 1960iger Jahren gebauten Villa Domnick im Heute nach. Die gefeierte Moderne, die die Wand im Hintergrund füllt, die Offenheit der Architektur und das zeitgenössische Mobiliar, stehen im klaren Gegensatz zu dem um Selbstausdruck ringenden Protagonisten. Nichts scheint offen, frei und überwunden. Die Videoarbeit verweist auf das gleichnamige autobiografische Buch von Fritz Zorn, das 1977 erschien und zum Kultbuch der Nachkriegsgeneration avancierte. Schilderte der Autor doch die Unmöglichkeit des Daseins in der Doppelmoral von selbstverliebter Bürgerlichkeit und historischer Verdrängung. Gleichbedeutend bewegt sich der Tänzer in einer Atmosphäre des Verneinens, die einer historischen Lücke gleichkommt.

Bereits in ihren frühen Arbeiten widmet sich Johanna Diehl dem Erkunden von Orten in Europa, die durch den Lauf der Geschichte eine Umwandlung erfahren haben. Beispielsweise reist sie mit ihrer Plattenkamera in die Ukraine, sucht ehemalige Synagogen auf, die zu Sporthallen, Kinos oder Fabriken umgenutzt wurden. Sie geht dabei der Frage nach, was in den Orten von ihrer Geschichte durchdringt. Sie spürt dem Verborgenen und Übersehenen im kulturellen und kollektiven Gedächtnis nach. Die Anwesenheit vom Abwesenden, ist sie sichtbar oder spürbar? Was Johanna Diehl in ihren Reisen und in diesen Werkreihen untersuchte, wird in der Ausstellung in der Kunsthalle Göppingen zu einem Blick in das Private der BRD der Nachkriegszeit.

Den Film zur Ausstellung von Hagen Betzwieser finden sie hier.

Digitaler Rundgang durch die Ausstellung hier

Der Kunstverein Göppingen e.V. bedankt sich insbesondere bei Dr. Katja Blomberg / Haus am Waldsee für die Unterstützung im Kuratorium. Die Fotografien und Filmarbeiten der Ausstellung entstanden im Rahmen der Ausstellung „Johanna Diehl: In den Falten das Eigentliche“ im HAUS AM WALDSEE – internationale Kunst in Berlin, und wurden vom HAUPTSTADTKULTURFONDS gefördert. Die anlässlich der Ausstellung erschienene Publikation ist erhältlich im Verlag der Buchhandlung Walther König.

Digitales Rahmenprogramm findet an folgenden Terminen immer von 18:00 bis 18:40 via Zoom statt:

Donnerstag, 6.5.2021: Einführung in die Ausstellung mit Kuratorin und künstlerischen Leiterin Kunstverein Göppingen Veronika Adam

Donnerstag, 20.5.2021: Johanna Diehl und Johann Kresnik – Pas de Deux durch Nachkriegsdeutschland mit Eva Paulitsch

Link zu den Meetings
Kenncode: 048324

Meeting-ID: 915 5612 6417