Kunst im öffentlichen Raum

Kunst und Kultur bestimmen wesentlich das ästhetische Bild und die Attraktivität einer Stadt. Mit einem Kunstwerk im öffentlichen Raum wird ein Platz zu einem Ort. Mit einer Skulptur ist die Stadtgeschichte greif- und sichtbar. Die Kunsthalle Göppingen realisierte im Jahr 2014 vier Projekte „Kunst im öffentlichen Raum“. Alle diese Projekte fanden im Stadtraum von Göppingen statt. Sie hinterlassen als temporäre Intervention Spuren im Stadtbild.

 

 

| 2017

 

 

 

Thesenanschlag / 31.10.2017 / Claude Wall

Am 31. Oktober 2017, 500 Jahre nach dem berühmten Thesenanschlag von Martin Luther, hat Claude Wall seine 96. These an der Türe der Kunsthalle Göppingen angebracht. Ob dies auch mal als historisches Ereignis gefeiert werden wird, wird die Geschichte zeigen.

Eigentlich besteht die 96. aus zwei Thesen, Vorder- und Rückseite. Wenn man von außen durch die Türe tritt, wird man empfangen mit Wassily Kandinsky, dem Erfinder des abstrakten Bildes: „Die Kunst ist ein sehr kompliziertes Phänomen.“ Hat man die Ausstellung gesehen und verlässt die Kunsthalle Göppingen durch dieselbe Tür, wird man mit Friedrich Nietzsche verabschiedet: „Macht‘ ich’s gut – so woll’n wir schweigen. / Macht‘ ich’s schlimm – so woll’n wir lachen und es immer schlimmer machen / schlimmer machen schlimmer lachen bis wir in die Katakomben steigen.“

 

 

 

| 2016

 

 

 

 

Soundwalks. Feldstudie Göppingen – eine akustische Kartografie in vier Teilen

 

Eine akustische Kartografie in vier Teilen - Soundwalks und Klanginstallationen in Innenstadt und Kunsthalle mit Astrid und Ephraim Wegner

Zum Projekt des Netzwerk Neue Musik Baden Württemberg

Als akustisches Äquivalent zu den bildgebenden Methoden der Foto- oder Filmkunst wurden Tonaufnahmen angefertigt, um bestimmte Momente festzuhalten – wie eine Reihe von Schnappschüssen auf einem Zeitstrahl. Astrid & Ephraim Wegner bauen damit ein Wegenetz durch den Stadtkern. Akustische Eindrücke werden mit technischen Mitteln vergrößert, in Beziehung zueinander gesetzt und erfahrbar. Mit einer Karte, einem Abspielgerät und Kopfhörern erhalten die EinwohnerInnen Göppingens die Möglichkeit, sich in dieses Streckennetz einzuwählen und mitzumischen: An ausgewählten und entsprechend gekennzeichneten Orten in der Innenstadt hören die Menschen vor Ort Variationen des Stadtklangs.

 

 

 

 

Lichtkunstfestival „Aufstiege“ der KulturRegion Stuttgart in Göppingen mit Yumi Kori und Michel Verjux

17.09.2016 – 9.10.2016

Yumi Kori // Infinity Device, Schlosswäldchen hinter dem Schloss, Göppingen

Die japanische Architektin und Künstlerin Yumi Kori greift mit ihren ortsspezifischen Installationen in gegebene Raumsituationen ein, die von gesellschaftlichen Praktiken und Vereinbarungen vordefiniert sind. Auf dem Schlossplatz in Göppingen errichtet sie eine modellhafte kubische Architektur, ein »Infinity Device«. Zwei kleine Treppen fordern dazu auf, hinaufzusteigen und durch die rechteckige Öffnung in das Innere der Skulptur zu schauen. Sichtbar wird eine Folge von Türdurchgängen, am Ende derer es auf fast magische Weise hell leuchtet. Die Künstlerin interessiert, die Wahrnehmung des existierenden Raums von eingeübten Ordnungs- und Bedeutungsfeldern zu befreien und für neue Perspektiven und Erfahrungen zu öffnen. Wer zur Tür des »Infinity Device« hineinschaut, erblickt ein Stück Unendlichkeit.

Michel Verjux // Wir brauchen Licht, Bahnhof und Büroturm der Kreissparkasse Göppingen

Im Inneren der Haupthalle des Göppinger Bahnhofs bestimmen zwei Halbkreise und ein Vollrund aus weißem Licht den Raum, durch den sich die Reisenden bewegen. Ein weiterer Lichtkreis stanzt eine helle Fläche aus dem oberen Teil des Büroturms, der gegenüber der Bahnhofshalle aufragt. Die puren geometrischen Formen treten in Dialog mit der Architektur des Ortes, wobei Wände und Fenster zum Bestandteil der skulpturalen Situation werden. Der französische Künstler Michel Verjux nimmt mit dieser klaren Geste die Realität des Raums in den Fokus. Er macht mit seinen Kreisen aus Licht sichtbar und erfahrbar, was wir in unseren alltäglichen Bewegungen zwar sehen, aber doch nicht bewusst wahrnehmen. Unsere Umgebung erfährt plötzlich eine Schönheit, die erst im Moment der Aufmerksamkeit entsteht.

 

| 2014

Vier Künstler(gruppen) nahmen den öffentlichen Raum der Stadt als Aktionsraum und realisierten im Laufe des Jahres 2014 die folgenden partizipatorischen Projekte.

 

PABLO WENDEL. PERFORMANCE ELECTRICS gGmbH - Kunststrom

Die von Pablo Wendel gegründete Performance Electrics gGmbH ist ein Stromanbieter zur Produktion und Distribution von Kunststrom - Strom, der durch und mit Kunst gegwonnen wird. Sowohl temporäre Aktionen im öffentlichen Raum als auch Installationen sind Formen der Kunststromproduktion. Für das aktuelle Projekt hat Performance Electrics stromerzeugende Skulpturen entwickelt, die erstmalig in der Göppinger Innenstadt präsentiert wurden. Die Skulpturen wurden aus Fragmenten alter Hochspannungsmasten und Photovoltaikmodulen konstruiert. Sie fungieren als autonome Kunststromlieferanten. (Fotos: © Performance Electrics)

 

 

 

 

Valentina Vetturi. Alzheimer Café

10.10.2014 - 07.11.2014 im Garten der Stadtkirche Göppingen

Valentina Vetturis Soundinstallation widmete sich dem Thema der Erinnerung. Wenn die Erinnerungsfähigkeit des Menschen immer größere Lücken aufweist, sind es Klänge und Melodien, die sich als bleibend erweisen.

 

 

 

 

Place of Place 2014

Kyungwoo Chun mit einem Kunstprojekt in der Innenstadt von Göppingen

19.07.2014 - 21.07.2014       

Göppinger Bürger entwerfen mit dem koreanischen Künstler eine Skulptur. Am Wochenende 19. – 21. Juli 2014 beteiligt Kyungwoo Chun möglichst viele Göppinger Bürger an der Entwicklung seiner Skulptur Place of Place. Sie begegnen ihm an einem Stand in der Innenstadt (Hauptstraße). Dort werden Menschen, die gerade in der Stadt sind, sich mit ihren Zeichnungen an einer Stele beteiligen. Wissen Sie, wie die die Grenzlinien der Stadt Göppingen verlaufen, was alles zur Gemarkung von Göppingen gehört? Was verbindet Sie mit Göppingen, wo haben Ihre wichtigsten oder meisten persönlichen Erinnerungen ihren Ort? Das hat mit Ihrem, unserem Leben in dieser Stadt zu tun.

Wie wichtig ist der Ort, an dem man lebt? Die Globalisierung macht auch vor dem persönlichen Leben nicht halt. Auf einem Brief steht ein Absender, eine e-mail-Adresse gibt nicht mehr preis, von wo eine Nachricht verschickt wurde, wo der Absender lebt, was sich mit seinem Ort an persönlichen Leben und Geschichte verbinden lässt. Der Navi verwandelt die reale Landschaft in ein digitales System, durch das er den User mit freundlicher Stimme an sein Ziel bringt. Wer schaut noch auf eine Landkarte, analog zur Landschaft, auf einen Stadtplan, um seine wirkliche Umwelt zu verstehen.

Kyungwoo Chuns Projekt wird ein Statement sein für das Hier und Jetzt, hier und jetzt in Göppingen.


 

Eva Paulitsch & Uta Weyrich. Göppinger Serviettenkino

19.05.2014 - 02.06.2014 

Eva Paulitsch und Uta Weyrich sammeln im öffentlichen Raum Handyfilme, die sie mit Jugendlichen über ihre Smartphones tauschen. Die Künstlerinnen speisen damit ihr digitales Filmarchiv. Es ist über einen QR-Code zu erschließen, den sie wie eine Grafik auf 56.000 Servietten gedruckt haben - Kunstwerke mitten aus dem Alltag.

Mit dem "Göppinger Serviettenkino" erkunden und verändern die Künstlerinnen das Bild und den Alltag unserer Stadt. Jeder, der sich eine der Servietten besorgt, kann den QR-Code aktivieren und die Filme aus Göppingen anschauen. Sie wechseln ständig für die Dauer der Aktion. Die in drei Farben bedruckten Servietten sind ab dem 19. Mai 2014 überall im Innenstadtbereich zu finden: in Cafés und Eisdielen, in Imbissbuden und Restaurants, in Kantinen und Schulmensen, aber auch im ipunkt am Rathaus. Die Stadt Göppingen wird zum Kinosaal und jeder kann sich beteiligen, indem man die Filme beisteuert oder zum "temporären Kinobetreiber" wird. Die Kunst hinterlässt ihre Spuren in der Stadt.

 

| Vorhandenes

In den letzten Jahren wurden zahlreiche Projekte im öffentlichen Raum realisiert. Bei einem Spaziergang durch Göppingen sind  beispielsweise zu entdecken:

 

Das rote Fräulein Sankt Bernadette an der Außenfassade Stadthalle, Ecke Lutherstr./Östl. Ringstr.

Künstler: Fritz Schwegler
Material: Aluminium, lackiert
Fertigstellung: 2004

 

Vertikale im Foyer der Kunsthalle Göppingen, Marstallstraße 55

Künstler: Klaus Heider
Material: Neonröhre, Spiegel
Fertigstellung: 1997

 

Backstein-Skulptur auf der Verkehrsinsel des Theodor-Heuss-Platzes

Künstler: Per Kirkeby
Material: Backstein, Mörtel
Fertigstellung: 1992