Schloss Filseck

 

Johannes Hewel - Im Rasthäuschen für Seelenwanderer. Druckgraphik

8.02.2020 - 31.03.2020

 

Die Ausstellung „Johannes Hewel - Im Rasthäuschen für Seelenwanderer“ zeigt Auszüge aus dem druckgraphischen  Werk des vielseitigen Künstlers  Johannes Hewel. Er war als Glasgestalter, Linolschneider, Radierer, Maler und Zeichner tätig und hatte 16 Jahre lang  eine Professur für Glasgestaltung und Malerei an der Staatlichen Akademie der bildenden Künste Stuttgart inne.

Seine grafischen Arbeiten sind vielfach nach Tagebuchaufzeichnungen im direkten Eindruck seiner Reisen durch Amerika, Asien und Europa in der eigenen Druckwerkstatt entstanden. In der Ausstellung sind neben Linolschnitten, Kaltnadelradierungen und Holzschnitte  zu sehen.

Die Verwendung von Sprache und Literatur, die sich leitmotivisch durch nahezu alle Werkgruppen des Künstlers zieht, zeigt sich in der Serie „Airmail for an unkown Nigger, Mexico“ aus dem Jahre 1981. Johannes  Hewel beschreibt eine Szene in einem Langstreckenbus  „Sempre a Hidalgo“ mit anderen Mitreisenden. Text und Bild sind untrennbar miteinander verbunden.

Das Bildzentrum ist bestimmt von einer in Handschrift verfassten Szene, eine tagebuchartige und tagträumerische Aufzeichnung des Erlebten. Die Sätze werden von Zeichnungen umrahmt.

Mehrmonatige Aufenthalte in Kolumbien, Peru und Mexiko führten jeweils zu Werken, die mit diesen Ländern verbunden sind: Als Zeichner nimmt Hewel die bildnerische Qualität der indigenen Volkskunst und ihre Spiritualität auf. Von der Reise zurückgekehrt bearbeitet er diese Themen druckgrafisch auf.

Die Serie „Nuestra Señora“ aus dem Jahr 1987, umfasst 10 Kaltnadelradierungen. Hewel muss das berühmte Marienbildnis  »Unsere Liebe Frau von Guadalupe«  gekannt haben. Er war vermutlich inspiriert durch einen Besuch des Wallfahrtsorts Villa des Guadalupe, einem Stadtteil von Mexiko Stadt. Die Serie ist auch ein Verweis auf das Sujet der Madonnenbildnisse. Bei dem Blatt »Nuestra Señora de la Soledad« verfremdet Hewel das Motiv der Strahlenkranzmadonna:  ihre Heiligenattribute sind im Kleid der Maria eingearbeitet, eine Schlange die sich aus der Bildmitte windet, eine (Welt)Kugel, die einen Totenkopf zeigt und der Sternenkranz um das Haupt ist nach unten statt himmelwärts gerichtet.

Die Blätter der Serie sind einheitlich grün, braun, schwarz, rot oder gelb gefärbt, angelehnt an die Farbsymbolik mittelalterlicher Marienbildnisse.

Eindrucksvolle Radierungen aus der Serie »Handkopf« von 1994/2003 führen vor Augen, dass Hewel bis an die äußersten Ränder des Papierbogens den Bildraum erweitert. Die Darstellungsfläche, bei Radierungen durch die Größe der Druckplatte definiert, endet bei  Johannes Hewel eben nicht da, er macht nicht Halt an den Druckrändern, er übersät diese, lässt sie bis an den Büttenblattrand wachsen.  

Thematisch finden sich in seinen Bildern viele Anspielungen auf eine metaphysische Weltinterpretation wieder, sie prägen auf vielfältige Weise Hewels Arbeit. In seiner 1992 begonnenen und bis zu seinem frühen Tod im Jahr 2009 ausgeführte Linolschnittserie »Brahman endless« steht die Weltseele, magische Kraft der indischen Religion, als Hauptmotiv im Zentrum.

Vor diesem Hintergrund erhält Hewels Arbeit eine weitere reflexive Dimension, viele Arbeiten sind als eine Referenz auf seine Religiosität zu verstehen, die geprägt ist vom Einfluss der eigenen sozialen Herkunft und die durch viele Reisen erweitert wurde. Sein Motto war es, die Lebensgewohnheit zu vertreiben, immer wieder aufs Neue zu sehen und zu staunen, nicht nur die menschlichen Kulturleistungen zu würdigen sondern das zu sehen, was bereits in der Natur vorhanden ist.  Seine künstlerischen Arbeiten geben Auskunft darüber, beseelt vom Wunsch zu sein, den Betrachter von der Wahrnehmung der alltäglichen Umgebung zur Imagination des Transzendenten zu lenken.

Johannes Hewel (1947-2009) hat ein facettenreiches Werk geschaffen.  Seine Arbeiten wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Staatspreis für Glasgestaltung des Landes Baden-Württemberg. Er lebte und arbeitete in Brettheim (Hohenlohe-Franken).

 

 

Schloss Filseck /Öffnungszeiten der Galerie im Ostflügel 1. Stock:

Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen 13 bis 17 Uhr

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