|Zirkus mit Marc Chagall

 

 

Eine Zirkuswerkstatt für Kinder und Jugendliche in der Kunsthalle Göppingen aus Anlass der Ausstellung „Marc Chagall. Die Bilder und die Dichtung“

"Ich habe die Clowns, Akrobaten und Schauspieler stets als tragisch- menschliche Wesen betrachtet, die für mich den Personen von bestimmten, religiösen Gemälden gleichen. Und selbst heute noch, wenn ich eine Kreuzigung oder eine andere religiöse Szene male, empfinde ich fast die gleichen Gefühle, die ich beim Malen von Zirkusleuten habe."  Marc Chagall

 

Marc Chagall ist einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Er gilt als Erzpoet unter den Malern. Eigentlich jonglieren Maler ja nicht mit Worten, sondern mit Pinseln. Chagall übte sich in beidem. Der Zirkus war eines der beliebtesten Bildthemen Chagalls und zum Zirkus verfasste Chagall auch eigene Texte. Gemeinsam haben wir Chagalls Zirkusbilder in das Atelier der Kunsthalle Göppingen übertragen, indem wir zunächst Kostüme und schließlich Kulissen in Anlehnung an Chagalls Mappe Cirque geschaffen und die phantastischen Zirkusposen erprobt haben. Eingefangen wurde all das in Fotografien, die den Zirkus als alle Sinne ansprechendes Ereignis wieder in neue Bilder überführen. Die Kinder und Jugendlichen des Zirkus Rondelli haben uns mit ihrem Material und ihrem Können tatkräftig unterstützt und das Jonglieren, Balancieren und Posieren mit den anderen geprobt.

Die drei Tage des Workshops standen jeweils unter einem anderen Motto. Der erste Tag war der Annäherung an Chagalls Werk und seinen Techniken gewidmet. Jede/r Teilnehmer/in wählte eine Figur aus Chagalls Repertoire, die sich für den Zirkus eignete, zeichnete und druckte sie im Styropordruck. Ein kleiner Sinnspruch, ein sogenanntes Elfchen begleitete den Druck. Am zweiten Tag drehte sich alles um das Kostüm, das die ausgewählte Figur in Anlehnung an Chagalls Zirkus-Darstellungen brauchen würde. So wurden aus Papier und Papier-Säcken Kleider, Röcke und Fräcke geschneidert, die dann angemalt wurden. Manchen war der Styropordruck eine gute Hilfe, wie beispielsweise den Papageien, die ihr Federkleid mit einer einzigen Feder als Druckstock farbig gestalteten. Auf Papier kommen wir der malerischen Qualität der Drucke Chagalls am nächsten. Am dritten stand die Gestaltung der Manege im Fokus, die übertragen ins Bild nur einen bühnenhaften Charakter haben konnte.

Wie ein Gemälde so funktioniert auch die Bühne letztlich als eine Art Schaukasten-Bild für die Betrachtenden – also nur in eine Richtung. Um die Rückseite mussten wir uns also nicht kümmern- das betraft auch unsere Kostüme und machte vieles leichter. Was in der Realität unmöglich ist, wird in Bildern möglich. Und so loteten wir gemeinsam den (Un-)Möglichkeitsraum von Chagalls Zirkusbildern aus. Text: Birgit Kulmer, großer Dank gilt Karin Kirsch und Sandro Parrotta