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Kleine Künstler vom Mörike-Gymnasium treffen auf große Kunst

Eine neu entstandene Kooperation zwischen der Kunsthalle Göppingen und dem Mörike-Gymnasium gibt jungen Menschen die Möglichkeit, Kunst einmal anders zu erleben. Fern des Schulhauses können sie ihrer kreativen Ader nachspüren. Am vergangenen Freitag hatten Schülerinnen und Schüler der Klasse 7 die Gelegenheit, Kunst hautnah zu erleben.

25 Gesichter und etliche gestreckte Finger scharen sich um den Herrn mit dem langen Mantel und demlässigen Hut. „Wie kommen Sie zu Ihren Ideen?“, fragt ein Schüler, „Kann man davon leben?“, ein anderer. Die Schüler der Klasse 7a des Mörike-Gymnasiums Göppingen wollen alles wissen. Schließlich spricht man nicht oft mit einem echten Künstler. Stefan Strumbel, der bekannt ist für seine grellbunten Kuckucksuhren und die Leitfrage „What the fuck ist ‚Heimat’?“, freut sich: „Kinder haben einen ganz eigenen, unbefangenen Zugang zu Kunst.“, sagt er schmunzelnd und fügt ernst hinzu: „Vielen wird dieser von Zuhause aus nicht geboten. Das können Begegnungen wie diese ändern.“

Noch am selben Abend soll die Jahresausstellung des Kunstvereins HANDLE WITH CARE eröffnet werden, in deren Zentrum Strumbels Plastik steht. Die kleinen Gäste vom MöGy sind die ersten, die das riesige, rostige Herz sehen dürfen, das der Künstler für Göppingen angefertigt hat. Trotz des wichtigen Abendtermins nimmt sich dieser viel Zeit. Strumbel stellt aktuelle Arbeiten vor und spricht über seine künstlerischen Strategien. Er erzählt, wie er Ideen für eine Ausstellung findet oder wie er das Thema Heimat für sich entdeckt und weiterentwickelt hat. „Ich versuche herauszufinden, was für eine Stadt in ihrer Geschichte oder Kultur bedeutend ist.“, erklärt er. So auch das überdimensionierte Herz, das bewusst viele Interpretationsmöglichkeiten zulässt.

Die Begegnung mit dem Künstler Stefan Strumbel bildet den Auftakt zu einer langfristigen Zusammenarbeit zwischen der Kunsthalle Göppingen und dem Mörike-Gymnasium. Maik Scheermann, Initiator der Kooperation von Seiten der Schule, freut sich bereits: „Es wird sowohl in der Kunsthalle als auch in der Schule einen Korrespondenzraum geben, wo die Schüler arbeiten können und Arbeiten ausgestellt werden. Außerdem binden wir auch andere Fächer mit ein.“ Als eine von zehn Kulturschulen des Landes Baden-Württemberg hat das Mörike-Gymnasium sich zum Auftrag gemacht, kulturelle Bildung fest in den Schulalltag zu integrieren – nicht nur durch Unterrichtsinhalte, sondern auch durch Lernumgebungen und die Einbindung künstlerischer Verfahren in alle Fächer. Die Zusammenarbeit mit der Kunsthalle ist Teil dieses großen Projekts.

Zur neuen Ausstellung in der Kunsthalle liefert auch die Klasse 7a des Mörike-Gymnasiums einen Beitrag. „Wir werden die Dimensionen des Ausstellungsraums umkehren.“, erklärt die Kunstlehrerin Kathrin Baumann. „Die Schüler entwerfen in Streichholzschachteln selbst kleine Installationsräume und modellieren für jeden davon ein Objekt, das für sie eine Bedeutung hat.“ Die insgesamt einhundert Streichholzschachteln mit ihren Miniaturexponaten werden zu einem Hochhaus zusammengefügt, dessen Räume man wie Schubladen einsehen kann. Es soll die Verschiedenheit der Menschen darstellen, das Nebeneinander ihrer Ideen und Wünsche. Dies habe angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen eine besondere Bedeutung. (Text: Charlotte Theobald)